Frisch und edel… Andreas Meixners Rezension unserer Liszt-CD

Frisch und edel: CD des Renner Ensembles

Die Regensburger Sänger beeindrucken mit Musik von Franz Liszt und seiner Zeit – fern von romantisierender Volkstümelei.

REGENSBURG.Musik für Männerchor hat auch dank des Regensburger Renner Ensemble in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich den Mantel des Verstaubten und Biederen abgelegt. Mit der neu erschienenen CD „Franz Liszt und seine Zeit“ gelingt das nun auch mit Musik aus der Blütephase der Tradition, als sich aus dem Geist der Aufklärung und dem aufkeimenden Patriotismus jener Zeit der Gesang allein mit Männerstimmen auch zu einer gesellschaftlichen Bedeutung in Form von Gesangsvereinen und Liedertafeln fand.

Dieses angegraute Männergebärden mit der einschlägigen, romantisierenden Volkstümelei hat mit dem Programm der CD nicht im Geringsten zu tun. Vielmehr erlebt man eine Stunde geistlicher Vokalmusik auf höchstem kompositorischen Niveau. Das beginnt mit zwei Werken von Rossini und Verdi. Letzterer komponierte das wunderbar lyrische „Laudi alla Vergine Maria“ aus den „Quattro pezzi sacri“ für Frauenstimmen. Dies mit Männern zu singen, ist mutig. Die strahlende Helligkeit der Originalbesetzung ist schwer zu toppen. Dem Renner Ensemble gelingt es deshalb, weil die Sänger nicht in einer dunklen Männerchorfärbung versinken, sondern jugendlich und frisch agieren. Eine edle Anmutung, die sich über die gesamten Werke verbreitet. So auch bei den fünf Trauergesängen von Peter Cornelius, die dank einer klar gezeichneten, expressiven Dynamik und Textbehandlung zu einer besonders berührenden Begegnung werden und in dieser Interpretation den Rang einer exemplarischen Einspielung erhalten dürften.

Auch das „Veni, Creator Spiritius“ von Hector Berlioz blüht unter der künstlerischen Leitung von Hans Pritschet in neuer, luftiger Farblichkeit. Die mit Orgel begleitete Messe in c-Moll von Liszt setzt im Anschluss dann eine völlig andere, fast strenge Atmosphäre. In einer sehr eigenen, persönlichen Tonsprache versucht Liszt den Brückenschlag zwischen der Tonsprache des 19. Jahrhunderts und den Idealen des Cäcilianismus. Das ist spannend und fordernd zugleich. Die Musik neigt schnell dazu, spröde und effektheischend zu werden. Das Messordinarium wird dabei fast zu einer allein stehenden Kunstform, die dem Renner Ensemble alles an Sprachbehandlung, Intonationssicherheit und Dynamik abverlangt. Das tun sie auf beeindruckende Weise, durchschreiten die harmonische Dramatik leichtfüßig und mit großen Spannungsbögen.

Überhaupt: Würden die Oberstimmen nicht hin und wieder zu sehr forcieren, wäre die Klangbalance nahezu perfekt. Ebenso hätte man sich in der Tonabmischung einen profunderen Bassanteil gewünscht. Das sind jedoch Randnotizen. Die neue CD des Renner-Ensembles ist von großem Repertoire- und Interpretationswert. Oder noch besser gesagt: Erstklassige Männerchormusik aus Regensburg!

(Quelle: http://www.mittelbayerische.de/kultur-nachrichten/frisch-und-edel-cd-des-renner-ensembles-21853-art1380563.html, Stand: 17.06.2016)

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